Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 28.1.2016:

Arbeits-Urlaub mit Abenteuer-Zuschlag

Bilder-Vortrag von Gisela Bondes über Neues aus dem Bartang-Tal im Pfarrhaus der evang. Kirchengemeinde Berchtesgaden, 21. Januar 2016

  • Pamir-Hilfe e. V.

Berchtesgaden – Eigentlich wollte die Ärztin Gisela Bondes für die Gruppe „Tee-nach-Sieben“ über die vielen positiven Neuerungen im Bartang-Tal berichten, die durch ihren Verein „Pamir-Hilfe e. V.“ bewirkt worden waren. Doch dann zerstörte im Dezember 2015 ein starkes Erdbeben nicht nur die meisten Häuser im Tal, sondern auch die Hoffnungen der Pamiri. Die ermutigenden Bilder vor dem Beben und die verstörenden Aufnahmen danach bewegten die ZuhörerInnen tief, nicht nur für einen Abend lang.

Der voll besetzte evangelische Gemeindesaal zeigte das große Interesse am fernen Bartang-Tal, seit das engagierte Ärzte-Ehepaar Bondes einmal pro Jahr in ihrer Freizeit die Menschen vor Ort zur Selbsthilfe unterstützt. Sie selbst nennen es „Arbeits-Urlaub mit Abenteuer-Zuschlag“ – und wer die Bilder gesehen hat, weiß auch warum. Zu Beginn des Abends zeigte Gisela Bondes (siehe Foto) dazu auf verschiedenen Karten die politisch brisante Lage von Tadjikistan, das zwischen Ländern wie China und Afghanistan eingekeilt ist und zudem geographisch genau zwischen der eurasischen und der indischen Subkontinentalplatte liegt, die sich immer weiter auf einander zu schieben. Das Land selbst besteht fast nur aus hohen, sehr steil aufragenden Bergen mit tief eingeschnittenen Tälern.

Auf Fragen aus dem Publikum, inwieweit der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten oder die afghanischen Taliban auch im Bartang-Tal gefährlich werden könnten, berichtete Bondes zuversichtlich von den im Tal vorherrschenden Ismaeliten, die für einen liberalen Islam stehen. Nicht nur gäbe es bei ihnen keine strengen Gebetsverpflichtungen, auch die eigene Interpretation des Korans sei erwünscht. Und vor allem seien die Frauen fast gleichberechtigt, ohne Verschleierungsgebot; sie dürften zur Schule gehen und studieren. Bondes stellte hier als Beispiel die Schneiderin des Dorfes vor, die als selbstbewusste Frau im Dorfrat vertreten ist, der für alle wichtigen Entscheidungen zuständig ist.

Mit großer Freude und Dankbarkeit präsentierte Gisela Bondes dann die Bilder der positiven Veränderungen, die sich seit ihrem letzten Besuch ergeben hatten. Durch die große Spendenbereitschaft Einzelner, aber auch namhafter Firmen erhielt das Krankenhaus in Basid zum Beispiel Fenster, ein neues Dach, wichtige medizinische Geräte und Medikamente. – Doch die darauf folgenden Bilder der Zerstörung nach dem Erdbeben zeigten dramatisch, wo überall wieder neu begonnen werden müsste. Es hatte glücklicherweise keine Toten im Bartang-Tal gegeben, aber von den etwa 2000 Häusern wurden 1200 beschädigt und 400 völlig zerstört. In der Winterkälte schlafen zu Zeit alle Dorfbewohner im Schulgebäude, das als einziges nicht zerstört wurde. Im April dieses Jahres fahren Gisela und Peter Bondes wieder ins Bartang-Tal, um sich zu informieren, wo am dringendsten Hilfe benötigt wird. Aber auch um den Menschen dort Hoffnung zu schenken, dass sie nicht vergessen sind und ihnen auch in Zukunft geholfen wird.

Ursula Kühlewind