Der Berchtesgadener Anzeiger berichtete am 30.01.2017:

NEU-ANFANG IM BARTANG-TAL

Bilder-Vortrag von Gisela Bondes für Tee-nach-Sieben und den kath. Frauenbund im Pfarrheim St. Andreas, 26. Januar 2017

  • Tee nach Sieben

Berchtesgaden – Über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und sich nach dem schweren Erdbeben gemeinsam wieder für die Pamir-Hilfe zu engagieren, das hatten sich der Berchtesgadener Frauenbund, der Ramsauer Familienkreis sowie die Gruppe „Tee-nach-Sieben“ als erste ökumenische Veranstaltung in diesem Jahr vorgenommen. Der vollbesetzte Saal zeigte auch das große Interesse an der Entwicklung in diesem fernen Bartang-Tal, aus dem das Ehepaar Bondes sehr persönliche und aussagekräftige Bilder der beiden Aufenthalte im vergangenen Jahr mitgebracht hatte.

Die erste Reise hatte 2016 im Monat April stattgefunden, der mit den ansonsten seltenen Regenfällen das Land grün und fruchtbar gemacht hatte. Die Bilder zeigten auch die Flüsse, die im Frühjahr noch wenig Wasser führten, da erst im Laufe des Sommers mit der Gletscherschmelze der Wasserstand steigt. Der Klimawandel sorgt dort mit höheren Sommertemperaturen, Erosion und bedrohlich-reißenden Flussläufen ebenfalls für Probleme. Geradezu bezaubernd schön inmitten der steinernen Felsenwelt zeigten sich dagegen die unzähligen blühenden Aprikosenbäume. Die Pamiri leben von der Landwirtschaft, und überall, wo bewässert werden kann, werden Nutzpflanzen angebaut.

Beängstigend wirkten danach die Bilder der vielen durch das Erdbeben zerstörten Häuser und der kaputten Krankenstation in Basid. Auf Beschluss des Dorfrates sollte die neue Krankenstation an einem von der bedrohlichen Felswand weiter entfernten Platz wieder aufgebaut werden. Die Pamir-Hilfe finanzierte die benötigten Materialien dazu, während die Dorfbewohner selbst alle Bauarbeiten übernahmen. Es fügte sich, dass ein Bekannter von Gisela und Peter Bondes unentgeltlich die nötigen Baupläne zeichnen und ein anderer Bekannter drei Monate lang, von Juli bis September, die Bauaufsicht führen konnte. Die Bilder der Sommer-Reise zeigten schließlich, mit wie viel Mühe, ohne Maschinen und nur in Handarbeit erdbebensichere Mauern für das neue Gebäude errichtet wurden. Da zur Zeit auch im Pamir Winter herrscht, mit etwa 15 Grad Minustemperaturen, kann allerdings erst im Frühjahr weitergebaut werden.

Gisela Bondes hatte neben den beeindruckenden Bildern aus dem Dorfleben und der großartigen Berglandschaft auch kleine Filme mitgebracht, die eindrücklich etwa eine der riskanten und Auto-unfreundlichen Fahrten auf der sogenannten „Hauptstraße“ zeigen oder wunderschöne Tanzszenen und schließlich das Dankes-Konzert einer Männer-Gruppe, die für die helfenden Europäer sang, spielte und auf ganz eigene und berührende Weise tanzte. Die finanzielle und materielle Hilfe von Gisela und Peter Bondes und allen Unterstützern ermöglicht es Menschen im Bartang-Tal, sich wieder ein menschenwürdiges Leben aufbauen zu können. Doch gerade nach dem verstörenden Erdbeben bedeutet es ihnen auch unendlich viel zu erleben, dass sie nicht vergessen sind im Pamir in Tadjikistan. – Das Ehepaar Bondes wird auch in diesem Jahr zwei weitere Unterstützungs-Reisen dorthin unternehmen und organisieren, was als nächste, dringendste Hilfe gebraucht wird.

Ursula Kühlewind