Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 10. Juni 2017:

Bald bekommt die Krankenstation in Basid ihr Dach

Berchtesgadener Ärztepaar Gisela und Peter Bondes mit Freunden vom Verein Pamir-Hilfe aus dem Bartang-Tal zurück37 000 Euro an Spenden gesammelt

Basid/Berchtesgaden – Es war der schneereichste Winter im tadschikischen Bartang-Tal seit rund 100 Jahren. Obwohl der vom Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe finanzierte Bau der Krankenstation in Basid wegen der extremen Witterungsbedingungen längere Zeit ruhte, geht das Projekt nun wieder zügig voran. Entscheidende Weichen stellte das Berchtesgadener Ärztepaar Gisela und Peter Bondes, die Initiatoren und Säulen des Vereins, kürzlich bei einem dreiwöchigen Aufenthalt im Pamirgebirge.

  • Pamir-Hilfe e.V. 2017
  • Pamir-Hilfe e. V. 2017
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Begleitet wurde das Ehepaar Bondes diesmal von der Berchtesgadener Ärztin Eva Langelüddecke und dem gelernten Maurer Franz Grois aus der Scheffau. Auch ihr Freund Thomas Köppel aus der Schweiz reiste erneut ins Bartang-Tal, um die Bevölkerung bei infrastrukturellen Projekten zu unterstützen.

In der Hauptstadt Dushanbee angekommen, deckten sich die Berchtesgadener erst einmal mit dem auf der Baustelle benötigten Material ein. Der wichtigste Einkauf waren wohl die beiden Dieselaggregate, mit denen die ständig auftretenden Stromversorgungsprobleme im Bartang-Tal wenigstens teilweise gelöst werden sollen. Schon bei der abenteuerlichen Weiterfahrt ins Pamirgebirge waren überall noch die Auswirkungen des strengen Winters zu sehen. »Wir mussten auf haarsträubende Art und Weise die Ausläufer von Schnee- und Schlammlawinen überwinden«, erinnert sich Gisela Bondes. Zweieinhalb Monate lang war das hintere Bartang-Tal, in dem sich auch Basid befindet, von der Außenwelt abgeschnitten. Die Versorgung der Bevölkerung war einige Zeit nur per Hubschrauber möglich.

Verein bezahlt die Arbeiter

»Der Bau an der Krankenstation stand lange still«, weiß Peter Bondes, Vorsitzender des Vereins Pamir-Hilfe. Doch beim Besuch konnten er und seine Begleiter erfreut feststellen, dass die Arbeiten jetzt wieder intensiv vorwärts gehen. Die Bauarbeiter, die alle aus dem Dorf stammen, werden vom Verein bezahlt. Sie bekommen 200 Dollar im Monat. Aktuell sind sie mit der Errichtung der Zwischenwände beschäftigt, die Böden in den einzelnen Zimmern sind nun betoniert. Und mit der Errichtung des Flachdachs will man beginnen, sobald die Balken geliefert sind. Dazu wollen Gisela und Peter Bondes im August erneut nach Basid reisen. Dann könnte der Rohbau stehen.

Teuer ist in Tadschikistan das Isoliermaterial. Das ist allerdings unbedingt notwendig, um die Krankenstation auch im Winter betreiben zu können. So ist der Verein Pamir-Hilfe aktuell damit befasst, die Gelder für die Isolierung aufzutreiben. Mit der Gesamtfertigstellung der Krankenstation rechnet das Ehepaar im Jahr 2018. Dann werden beispielsweise die Krankenbetten aus Loipl, der diesmal mitgebrachte Wasserfilter und die anderen Geräte, die auch mithilfe der Berchtesgadener Bevölkerung finanziert worden waren, endlich zum Einsatz kommen.

Aktuell werden die Einheimischen in der beim Erdbeben demolierten, von der Regierung aber notdürftig reparierten alten Krankenstation versorgt. Hier gibt es beispielsweise Medikamente, großteils gespendet von der Organisation »Apotheker helfen«. »Aber auch Brillen sind bei den Einheimischen sehr begehrt«, weiß Gisela Bondes. Genauso Hörgeräte und Wollkleidung von Orthovox.

Schulung der Krankenschwestern

Wenn Zeit war, schulten die Berchtesgadener Ärzte die Krankenschwestern oder besuchten die Nachbardörfer, wo sie viele Kranke untersuchten und versorgten. Dabei lernten sie auch eine einheimische Kinderärztin kennen, die nun ebenfalls vom Verein Pamir-Hilfe unterstützt werden soll. Vor allem ein Ultraschallgerät wäre wichtig, danach sucht man aktuell.

In der Schule in Basid richtete man eine kleine Bilderausstellung ein. Schüler des Gymnasiums Berchtesgaden hatten unter der Leitung von Kunsterzieherin Bettina Dolansky auf der Grundlage von echten Fotos Bilder von den Hilfsprojekten im Bartang-Tal gemalt. Die kleinen Kunstwerke sind nun in der Schule ausgestellt. Die Berchtesgadener Gymnasiasten hatten dem Verein Pamir-Hilfe auch die Einnahmen aus einer Adventssammlung zukommen lassen.

Kindergarten gewünscht

Während ihres Aufenthalts im Bartang-Tal erlebten die Berchtesgadener eine enorme Gastfreundschaft vonseiten der Einheimischen. »Die Leute dort sind sehr arm. Dennoch waren wir jeden Tag irgendwo eingeladen«, erklären Gisela und Peter Bondes. Vor allem wegen der herzlichen Menschen, aber auch wegen der beeindruckenden Gebirgswelt zieht es das Ehepaar Bondes und ihre Freunde immer wieder ins Pamirgebirge. Auch diesmal hatten sie Gelegenheit, einige Viertausender zu besteigen und das »Dach der Welt« mit Geländewagen zu umrunden, ehe es wieder nach Hause ging.

Wenn Gisela und Peter Bondes im August erneut nach Basid reisen, wird es nicht das letzte Mal sein. Denn für die Zeit nach dem Ende der Bauarbeiten an der Krankenstation gibt es bereits neue Visionen. In einer Abstimmung haben sich die Frauen von Basid den Bau eines Kindergartens gewünscht. Aktuell werden die rund 35 Kinder nämlich in einem 25 Quadratmeter großen Raum in der Schule betreut. So werden die Projekte im Bartang-Tal wohl nicht so schnell ausgehen.

Informationen zum Verein Pamir-Hilfe gibt es unter www.pamir-hilfe.de.

Ulli Kastner