Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 11.12.2015:

Bestürzung beim Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe:

Erdbeben verwüstet das Bartang-Tal

Mühsam aufgebaute Infrastruktur großteils zerstört – Ehepaar Bondes will helfen

  • Pamir-Hilfe e. V.

Berchtesgaden/Basid – Einfach nur traurig ist man dieser Tage beim Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe. Jahrelang hat man Spenden und Material gesammelt, um den in ärmlichsten Verhältnissen lebenden Menschen im tadschikischen Bartang-Tal zu helfen. Doch am Montag wurde ein Großteil der mühsam errichteten Infrastruktur binnen weniger Sekunden bei einem starken Erdbeben zerstört. Nun beginnt man wieder von vorne.

»Mir tun die Leute so leid«, sagt Gisela Bondes, die mit ihrem Mann Peter seit Jahren die treibende Kraft im Verein Pamir-Hilfe ist. Das Berchtesgadener Ärzte-Ehepaar hatte die Hilfsorganisation im Januar 2013 zusammen mit Freunden gegründet. Seitdem hat sich viel getan im Dorf Basid und im gesamten Bartang-Tal, einem Seitental des Pamir-Gebirges. Schwerpunkt der Pamir-Hilfe war der Aufbau einer Krankenstation im Dorf Basid, auf die man so stolz war.

Wie viel davon nach dem schweren Erdbeben übrig geblieben ist, wissen Gisela und Peter Bondes nicht. Nur mühsam konnten sie dieser Tage telefonischen Kontakt nach Basid aufnehmen. Bekannt ist mittlerweile, dass im gesamten Bartang-Tal rund 500 Häuser zerstört sind. Die Leute trauen sich nicht mehr in die Gebäude, nun drängen sich Hunderte von Menschen im Schulgebäude. Auch das kleine Bergdorf Nisur ist schlimm betroffen. 40 flache Häuser stehen dort, die meisten Bewohner leben von Ziegenzucht und Ackerbau. Bis Montag gab es hier wenigstens eine kleine Schule, doch die ist nun ebenfalls komplett zerstört. Nisur liegt nur 18 Kilometer flussabwärts des tiefblauen Sares-Sees. Der Usoi-Staudamm, der größte natürliche Staudamm der Welt, schließt die mächtigen  Wassermassen des Sees ein. Und er ist eine große Gefahr für die Region. Aus einem Erdrutsch ist er entstanden – und ein starker Erdrutsch oder ein Beben könnten ihn brechen. Bis zu 100 Meter könnte die Flutwelle steigen, die durch das schmale Tal rauschen würde. Fünf Millionen Menschen in Tadschikistan, Afghanistan, Usbekistan und Turkmenistan wären bedroht. Zuallererst die Menschen in Nisur.

Doch der Damm hat die Erdstöße vom Montag unbeschadet überstanden. Betroffen von den Auswirkungen des Erdbebens sind weite Teile von Zentralasien. Das Epizentrum lag im Osten Tadschikistans in der Region Berg Badachschan etwa 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Die Erschütterungen waren in allen umliegenden Ländern deutlich bis stark spürbar. Am schlimmsten betroffen sind die Regionen Murghab und Bartang.

»Fast alle Häuser im Bartang-Tal sind unbewohnbar, die Menschen haben große Angst«, weiß Gisela Bondes. Vor allem sind die Einheimischen immer noch auf sich alleine gestellt, weil Hilfskräfte bislang nicht bis nach Basid vordringen konnten. Schnee und Lawinen bedrohen einige Straßen, die Telefonleitungen sind zusammengebrochen. Einziger Lichtblick in dem Chaos ist, dass es »nur« zwei Tote und 30 Verletzte gab. »Die Mauern der Häuser sind niedrig und stellen beim Einsturz zumeist keine lebensbedrohliche Gefahr dar«, weiß Gisela Bondes.

Trotz des Rückschlags will man beim Verein Pamir-Hilfe nicht aufgeben. Gisela und Peter Bondes haben vor, im Februar wieder in die Region zu reisen. Und sie wollen möglichst nicht mit leeren Händen kommen. Wer helfen will, kann sich über die Homepage www.pamir-hilfe.de informieren oder er wendet sich unter Telefon 08652/66014 direkt an das Ehepaar Bondes.

Ulli Kastner