Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 26. Januar 2013:

Kletterfelsen und Sechstausender in Tadschikistan

In der Zeitlosigkeit des Bartang-Tals

Sieben Berchtesgadener gründen den Verein »Pamir-Hilfe«

Berchtesgaden – Die Menschen im tadschikischen Bartang-Tal sind freundlich und intelligent, aber bettelarm. Diese Erfahrung machte das Ärzte-Ehepaar Gisela und Peter Bondes, das von den Bewohnern der einsamen Gegend, in der es kaum Arbeit gibt, zweimal herzlich aufgenommen wurde. Nun wollen die beiden Schönauer mit Unterstützung von Freunden den Einheimischen im Pamir-Gebirge helfen. Eine siebenköpfige Gruppe gründete am Donnerstag den Verein »Pamir-Hilfe«.

Gisela und Peter Bondes sind begeistert von Tadschikistan und insbesondere von den Menschen in Gorno-Badakhshan. »Die Bewohner dort sind sehr aufgeschlossen und hilfsbereit«, erinnert sich Peter Bondes, der sich im letzten Jahr davon überzeugte. Denn seine Frau Gisela hatte die Region zuvor schon einmal besucht und ihrem Mann von der traumhaften Gegend mit vielen Sechstausendern, hohen Gebirgspässen und steilen Kletterwänden erzählt. Da lachte freilich das Herz des Kletterers Peter Bondes. Und weil er gerne selbst Kletterrouten erschließt, kamen natürlich die Bohrmaschine, über 100 Bohrhaken, Seile, Helme, Karabiner und Sicherungsgeräte mit ins Gepäck. Die Erschließungsaktion in den Wänden des Pamirs betrieb das Ehepaar Bondes aber nicht aus Eigennutz, sondern man wollteden Einheimischen damit auch helfen. »Wenn wir dort ein Klettergebiet einrichten und die Schönheiten der Region als Anlaufgebiet für Trekker und Bergsteiger bei uns etwas bekannter machen, dann kann sich dort vielleicht eine Art von Tourismus entwickeln«, sagt Gisela Bondes.

Die Einheimischen fanden großen Gefallen an der Erschließungsaktion des Arzte-Ehepaars. Nach anfänglichem Zögern wagten sich sogar einige selbst in die Wand. Einige ließen sich vom Ehepaar Bondes auch die Handhabung der Sicherungsgeräte zeigen, sodass die Bewohner im Dorf Basid im Bartang-Tal nun auch selbst losziehen können. Schließlich sollen sie später vielleicht einmal die Touristen nach Bergführer-Art betreuen. Der Anfang ist schon einmal gemacht, denn Peter und Gisela Bondes setzten während ihres Aufenthalts über 100 Bohrhaken. Und das Klettermaterial, das zum Großteil aus Spenden in Berchtesgaden stammte, ließen sie natürlich vor Ort.

Auch aus ärztlicher Sicht unterstützten Gisela und Peter Bondes die Einheimischen in Tadschikistan. Apotheker Florian Schmidt, der jetzt bei der Vereinsgründung das Amt des Schriftführers übernahm, hatte den beiden Ärzten jede Menge Medikamente mitgegeben.

Freilich konnte das Ehepaar Bondes den Einheimischen auch bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen helfen. Zwar gibt es dort einen Arzt, aber fast keine ärztliche Infrastruktur oder Geräte. »Alles was unser Kollege besitzt, ist ein Stethoskop«, schmunzelt Peter Bondes. Mit Spendengeldern, die Gisela und Peter Bondes über den neuen Verein sammeln wollen, sollen neue Geräte besorgt werden.

Auch eine neue Turbine zur Stromproduktion ist ein sehnlicher Wunsch der Bewohner im Dorf Basid. Schließlich kann die derzeitige Turbine nur für 56 der 100 Familien Strom liefern. Peter Bondes hat den Einheimischen für dieses Projekt im letzten Jahr bereits die stolze Summe von 2350 Dollar übergeben. Wenn es nach den Berchtesgadener Ärzten geht, sollen in nächster Zeit noch mehr Spenden nach Tadschikistan gehen.
Um das zu schaffen, luden Peter und Gisela Bondes am Donnerstag fünf Freunde in ihr Haus in Schönau am Königssee zur Vereinsgründung ein: Dorothee Schiegnitz, Florian Schmidt, Max Seidl, Dr. Simon Wagner und Ulli Kastner. Sie wählten Peter Bondes zum 1. Vorsitzenden, sein Stellvertreter ist Dr. Simon Wagner. Den Posten der Kassierin übernahm Gisela Bondes und der Schriftführerposten wurde mit Florian Schmidt besetzt. Zur Kas-senprüferin wählte die Versammlung Dorothee Schiegnitz.

Als Vereinszweck wird in der Satzung die Förderung der medizinischen Versorgung, der Energieversorgung, des sanften Ökotourismus und die Ausbildung Einheimischer zu Bergführern in Gorno-Badakhshan in Tadschikistan, insbesondere im Dorf Basid im Bartang-Tal, angegeben. Das schon vorhandene Krankenhaus, das aufgrund der nicht vorhandenen medizinischen Geräte und mangelhaften Einrichtung auch von dem Arzt vor Ort fast nicht genutzt werden kann, soll mit medizinischen Geräten versorgt werden.

Klar, dass Gisela und Peter Bondes möglichst bald wieder in das seit 1991 unabhängige Land zwischen Afghanistan, Pakistan, China und Kirgistan wollen. Dann werden sie wieder den unkomplizierten Direktflug von Frankfurt nach Dushanbe nehmen und schließlich die nervenaufreibende 15-Stunden-Fahrt über 650 Kilometer ins Bartang-Tal in Angriff nehmen. Spätestens wenn die beiden ihre dankbaren Freunde in Basid, die einladenden Kletterfelsen und die traumhafte Sechstausender-Kulisse erblicken, dann werden sie wieder tief eintauchen in die Zeitlosigkeit des Bartang-Tals und ihrer Bewohner.

Informationen zum Verein »Pamir-Hilfe« und zur Region Gorno Badakhshan erteilen Gisela und Peter Bondes unter Telefon 08652/66014.

Ulli Kastner (Berchtesgadener Anzeiger)

gruender sw

Die Gründer des Vereins »Pamir-Hilfe« (v.l.): Florian Schmidt (Schriftführer), Max Seidl, Dorothee Schiegnitz (Kassenprüferin), Peter Bondes (1. Vorsitzender), Gisela Bondes (Kassiererin), Dr. Simon Wagner (2. Vorsitzender) und Ulli Kastner.

Anzeiger-Foto