Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am Mittwoch, 5. November 2025:
Jahreshauptversammlung des Vereins Pamir-Hilfe:
Schulmöbel aus der Bacheifeldschule auf dem Weg nach Tadschikistan
Hilfstransport bringt auch Verbandsmaterial für »Schmetterlingskinder« nach Dushanbe – Schulsanierung in Basid
Schönau am Königssee – Fünf Tonnen Hilfsgüter schickt der Verein Pamir-Hilfe dieser Tage auf die sechswöchige, über 6000 Kilometer langeReise von Berchtesgaden nach Tadschikistan. In dem 40-Tonnen-Lkw befinden sich neben 20 Kubikmetern Verbandsmaterial für die unter einer schlimmen Hautkrankheit leidenden Schmetterlingskinder auch die alten, nicht mehr benötigten Schulmöbel aus der Bacheifeldschule. All das und noch viel mehr erfuhren die Vereinsmitglieder jetzt auf der Jahreshauptversammlung in Schönau am Königssee.
Von mehreren Reisen nach Tadschikistan berichteten 1. Vorsitzender Peter Bondes und Kassierin Gisela Bondes, beide nach wie vor die treibenden Kräfte im Verein, den Mitgliedern. So riefen sie noch einmal das in Basid vom Verein finanzierte Brückenbauprojekt über den Fluss Bartang in Erinnerung. Mit tatkräftiger Mitwirkung der Berchtesgadener Delegation unter Federführung von Peter Bondes entstand eine 50 Meter lange, mit Holzbohlen belegte Seilbrücke über den Bartang. Die in zwölftägiger Arbeit errichtete Brücke verkürzt nun vor allem den Kindern den täglichen Schulweg um viele Kilometer.
Erfolgreich verlaufen ist auch das Screening-Projekt zur Erkennung von Fuchs- und Hundebandwurm bei Schulkindern in Sary-Mogol im Pamir-Alay. An sechs Tagen wurde hier in sieben verschiedenen Orten bei etwa 4 000 Kindern die Leber mit Ultraschall untersucht. Davon hatten sechs Prozent einen Befall mit dem Bandwurm. Zwei zusätzliche Ultraschallgeräte, die der Verein kostenlos erhalten hatte, konnten Gisela und Peter Bondes den zuständigen Ärzten übergeben.
Der Anfang gemacht ist auch beim Bau der neuen Turnhalle für Waisen- und Internatskinder im kirgisischen Gulcha. Hier sind immerhin die Fundamente bereits errichtet, der Verein hat die Bewehrung bezahlt. »Doch aktuell steht der Rohbau. Das Projekt ist für uns finanziell im Moment nicht zu stemmen«, sagte Kassierin Gisela Bondes.
Auf der Zielgeraden ist man dagegen beim Umbau der Station für »Schmetterlingskinder« in der dermatologischen Klinik Dushanbe. Zusammen mit verschiedenen Dermatologen des Landes, dem Verein »Apotheker helfen« und der BR-»Sternstunden«-Aktion fördert man hier ein Projekt, das Schmetterlingskinder (Epidermolysis) und Kinder mit der sogenannten Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis), beides genetische Erbkrankheiten, unterstützen soll. In der dermatologischen Klinik Dushanbe werden aktuell einige Zimmer umgebaut. Von der »Sternstunden«-Aktion wird man mit 60 000 Euro unterstützt. Und an den 15 000 Euro, die der Verein tragen muss, beteiligt sich die Aktion »Apotheker helfen« noch einmal mit 50 Prozent. Der Umbau der Station ist bald abgeschlossen und dann wird hoffentlich das Verbandsmaterial aus Berchtesgaden bald in Dushanbe eintreffen. Auf das Material sind die an schlimmen Hautkrankheiten leidenden Kinder dringend angewiesen.
In Basid setzt man darüber hinaus große Hoffnungen in den Bau eines neuen Turbinenhauses und die Installierung einer neuen Turbine für die Stromversorgung. 13 Jahre lang bemüht man sich hier schon um Fortschritte, doch jetzt sieht es endlich gut aus. Die Turbine ist bereits ganz in der Nähe gelagert, jetzt muss nur noch das Turbinenhaus gebaut werden.
Gut schaut es auch bei der Schulsanierung aus. Das Projekt geht nach und nach voran. Da werden die alten Möbel aus der Bacheifeldschule gerade rechtzeitig ankommen. 56 Tische und 124 Stühle warten in Rosenheim auf den Weitertransport nach Tadschikistan. Von dem Mobiliar werden sicherlich auch noch andere Einrichtungen im Ort Basid profitieren.
Weiterhin gut läuft es im Krankenhaus und im Kindergarten. Davon konnten sich Gisela und Peter Bondes bei ihrem letzten Besuch im September ein Bild machen. Mit Entsetzen mussten sie allerdings zur Kenntnis nehmen, dass kurz nach ihrem vorletzten Besuch im Juni eine große Flutwelle durch den Ort geströmt war. Erneut war der Gletscher oberhalb des Tals gebrochen und hatte rund drei Tage lang enorme Wassermengen zu Tal geschickt. Die Schäden an der Infrastruktur waren nicht gering. Immerhin haben diesmal die neu errichteten Fundamente der Turnhalle gehalten. Allerdings wurde deutlich, dass in Basid auch etwas für den Hochwasserschutz getan werden muss. Die Aga-Khan-Stiftung will schon einmal den Bau eines neuen Damms bezahlen.
Möglich sind die ganzen Projekte der Pamir-Hilfe nur durch die finanzielle Unterstützung des Vereins von vielen Seiten. Dazu gehören neben vielen anderen Spendern auch der große Flohmarkt im AlpenCongress, der Eine-Welt-Laden Laufen und der Lions Club Bad Reichenhall. Immerhin bleibt für die Vereinsmitglieder bei ihren Besuchen im Pamir manchmal auch ein wenig Zeit, die Umgebung zu erkunden. Auf einer Trekkingtour wanderte man diesmal bis ins Shokhdara-Tal und weiter in den Wakhan-Korridor. Bei teils heftigem Wind und frostigen Temperaturen ging es hinauf bis auf 5 100 Metern Höhe. Dem anschließenden Kassenbericht von Gisela Bondes war zu entnehmen, dass der Verein auch im letzten Jahr wieder viel für Hilfsprojekte im Pamir ausgegeben hat. Die Vereinskasse ist deshalb momentan nur sehr spärlich gefüllt. »Wir müssen sehen, dass wir unsere Kasse irgendwie wieder auffüllen«, lautete der Appel der Kassierin. Die erhielt dennoch Lob von Kassenprüferin Dorothee Schiegnitz, die feststellte: »Alles passt gut. Die Kasse wird sehr akkurat geführt«. Die einstimmige Entlastung der Kassierin durch die Mitglieder war – wie zuvor bereits die Entlastung des gesamten Vorstandes – nur noch Formsache.
Ulli Kastner
Fotos: Gisela und Peter Bondes
