Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 25. Juli 2026
Jahreshauptversammlung des Vereins Pamir-Hilfe:
Hilfe aus Berchtesgaden für schwer kranke »Schmetterlingskinder«
Abteilung an der dermatologischen Klinik saniert – 20 Tonnen Medikamente
und Möbel nach Tadschikistan geschickt
Schönau am Königssee – Die positiven Auswirkungen ihrer ehrenamtlichen Arbeit erlebte im April eine kleine Abordnung des Berchtesgadener Vereins Pamir-Hilfe bei ihrem Besuch in Tadschikistan. Mit Freude nahm die Gruppe um die Vereinsgründer Gisela und Peter Bondes zur Kenntnis, dass die Abteilung für »Schmetterlingskinder« an der dermatologischen Klinik der Hauptstadt Dushanbe nach der vom Verein finanzierten Sanierung bereits in Betrieb ist. Und die in der Bacheifeldschule aussortierten Schulmöbel versüßen nach einer langen Lkw-Reise den Kindern im Dorf Basid bereits das Lernen. All das erfuhren die Vereinsmitglieder jetzt auf der Jahreshauptversammlung des Vereins in Schönau am Königssee.
Nach rund sieben Wochen und fast 6 000 Kilometern zurückgelegter Strecke war der Hilfstransport des Berchtesgadener Vereins Pamir-Hilfe im Januar in Dushanbe angekommen. Der Lastwagen lieferte, finanziert von Engagement Global, 20 Kubikmeter Verbandsmaterial für die unter einer schlimmen Hautkrankheit leidenden Schmetterlingskinder in die sanierte dermatologische Klinik der tadschikischen Hauptstadt. Die »Sternstunden«-Aktion des Bayerischen Rundfunks hat einen Großteil der Kosten für die Verbandsmaterialien übernommen, den Rest teilten sich die Vereine »Apotheker Helfen« und »Pamir-Hilfe«.
Geschäftsführer von » Apotheker Helfen« zu Gast
Dass das Material laut 1. Vorsitzendem Peter Bondes gut angekommen ist, freute auf der Jahreshauptversammlung auch Dr. Andreas Wiegand, Geschäftsführer des Vereins »Apotheker Helfen«, der für die Versammlung eigens nach Schönau am Königssee gekommen war. »Ohne die Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks, Apotheker Helfen und die Unterstützung durch Engagement Global hätte es diesen Transport nicht gegeben«, sagte 1. Vorsitzender Peter Bondes. Möglicherweise wird es in naher Zukunft noch einmal einen Transport geben.
In dem 40-Tonnen-Lkw befanden sich Verbandsmaterial für die Versorgung der kleinen Patienten mit Epidermolysis bullosa. Bei den »Schmetterlingskindern« löst sich die Haut der Betroffenen aufgrund eines angeborenen Gendefektes bei kleinster mechanischer Belastung ab und hinterlässt schmerzhafte, zum Teil großflächige, Hautwunden. Die Erkrankung bedeutet einen jahrelangen, schmerzhaften Leidensweg mit schweren narbigen Verkrüppelungen und oft frühzeitigem Tod. Die zum Teil multiplen Läsionen bedürfen spezieller, nicht anhaftender Wundauflagen und Verbänden, da sich sonst beim Verbandswechsel die neu gebildete Haut erneut ablöst.
Mit dem jetzigen Transport ist die Versorgung zunächst bis Ende des Jahres gesichert. Den Kindern wurde gleich einmal für einen Monat Verbandsmaterial mit nach Hause gegeben. »Die Dermatologen dort arbeiten gut und die Station ist sehr schön hergerichtet«, sagte Peter Bondes. Das noch zur Verfügung stehende Geld soll unter anderem für die Anschaffung einer Klimaanlage, eines Fernsehers und von weicheren Betten verwendet werden.
Die alten Schulmöbel aus der aufgelösten Bacheifeldschule (Mittelschule) in Berchtesgaden wurden noch ein gutes Stück weiter nach Basid transportiert, wo die 56 Tische und 124 Stühle in der sanierten Schule bereits wertvolle Dienste leisten. Zuvor hatte der Verein die einheimischen Arbeiter bezahlt, um die Schule zu renovieren. Es gibt nun Doppelglasfenster und eine bessere Raumisolierung.
Hoffnung auf sichere Stromversorgung
Auch eine Elektroheizung gibt es nun in der Schule, allerdings fehlt für einen Betrieb oft der Strom. Da ist man nun froh, dass die vom Verein mit rund 30 000 Euro mitfinanzierte neue Turbine bald zum Einsatz kommen könnte. Das Turbinenhaus befindet sich jedenfalls gerade im Bau. Ob hier wirklich bald zuverlässig Strom fließt, weiß aktuell aber niemand zu sagen.
Auch die beim letzten Hochwasser in Mitleidenschaft gezogene Turnhalle ist mittlerweile repariert, es gibt nun sogar einen Wrestling-Raum. Das Turnhallendach ist jetzt regendicht, aber die Innendecke und der Turnhallenboden bedürfen einer umfangreichen Sanierung. Eigentlich müsste sogar die ganze Turnhalle neu gebaut werden, weil sie längst keinen stabilen Eindruck mehr macht. Allerdings gibt es Ratlosigkeit darüber, wie man an so einem abgelegenen Ort eine so schwierige Baustelle betreiben kann. »Aktuell überfordert uns dieses Projekt«, räumte auch Kassiererin Gisela Bondes ein.
Tätig war man beim jüngsten Besuch auch wieder in der Schule, wo unter der Leitung von Sepp Graßl rund einen Kilometer Elektrokabel verlegt wurden. Vorsichtig denkt man nun darüber nach, auch die alten Möbel in der Schulmensa gegen neuere zu tauschen. Und im vom Verein finanzierten Krankenhaus ist der Boden nun mit schönen Fliesen belegt worden.
Vorzeigeprojekt Kindergarten
Ein richtiges Vorzeigeprojekt ist der neue Kindergarten geworden. »Weil der so schön geworden ist, kommen Kinder aus dem ganzen Tal hierher«, sagte Gisela Bondes. Zwei Kindergärtnerinnen betreuen dort etwa 20 bis 30 Kinder.
Und immer wieder erfreuen sich die Vereinsmitglieder bei ihren Besuchen an den weiteren Projekten, die erfolgreich laufen: die Dorfkneipe, die Bücherei, das Marmeladenprojekt und anderes. Die unter der tatkräftigen Mithilfe von Peter und Gisela Bondes errichtete Hängebrücke ist sehr stabil und verkürzt den Weg nach Basid für Schulkinder und Anwohner um sechs Kilometer (einfache Strecke). Die Einheimischen haben mittlerweile die Stahlseile etwas nachgespannt, sodass die Brücke nun etwas höher und geschützter bei Hochwasser ist.
Die Hochwasserverbauung wurde von anderer Stelle bereits in Angriff genommen, ist aber leider noch nicht fertiggestellt. Zwar ist für einen Weiterbau eigentlich Geld vorhanden und der Bagger steht bereit. »Es steht allerdings kein Fahrer zur Verfügung«, wusste Gisela Bondes.
Über die Entwicklungen in Tadschikistan hatten Gisela und Peter Bondes kürzlich auch an der Grundschule in Marktschellenberg berichtet. Und weil sich die Marktschellenberger Schulkinder natürlich in erster Linie für ihre gleichaltrigen Pendants in Basid interessierten, ist schnell eine lebendige Brieffreundschaft zwischen den beiden Schulen entstanden.
Entlastung für den Vorstand
Nach dem umfassenden Tätigkeitsbericht war es für die Mitglieder eine leichte Entscheidung, den 1. Vorsitzenden Peter Bondes zu entlasten. Auch zum Kassenbericht von Gisela Bondes gab es keinerlei Einwände. Dem Antrag von Kassenprüferin Dorothee Schiegnitz auch im Namen von Sepp Graßl auf Entlastung gaben die Mitglieder einstimmig statt. Zuvor hatten sie von Gisela Bondes unter anderem erfahren, dass im Jahr 2025 doppelt so viel ausgegeben wie eingenommen worden war. »Aufgrund entsprechender Rücklagen war das allerdings kein Problem«. Und schließlich sind auch im laufenden Jahr wieder viele Spenden von heimischen Unterstützern zu erwarten. Zu denen zählt auch die Kolpingsfamilie Berchtesgaden mit ihrem großen Flohmarkt. Der findet heuer am Donnerstag, 30., und Freitag, 31. Juli, im AlpenConGress statt.
Mit einer Bilderpräsentation von ihrer jüngsten Reise nach Tadschikistan schlossen Gisela und Peter Bondes den Abend. Emotional reagierten die Mitglieder vor allem auf die Bilder der schwer kranken »Schmetterlingskinder«, deren schlimme Hautkrankheiten zwar gelindert, aber nicht geheilt werden können.
Bericht: Ulli Kastner; Fotos: Gisela und Peter Bondes
