Am 27.11.2021 berichtet der Berchtesgadener Anzeiger:

Weiteres Projekt des Berchtesgadener Vereins Pamir-Hilfe abgeschlossen:

Ein Festtag für Kinder und Erwachsene in Basid

Neuer Kindergarten im tadschikischen Bartang-Tal eröffnet – Für eine neue Wasser­versorgung fehlen noch die Mittel

Berchtesgaden/Basid – Es war ein Festtag für das ganze Dorf, aber vor allem für die Kinder. Zur Ein­wei­hung und Inbe­trieb­nahme des vom Berch­tes­ga­dener Verein Pamir-Hilfe finan­zier­ten neuen Kinder­gartens in Basid war Kassierin Gisela Bondes, zusammen mit ihrem Ehemann und 1. Vor­sitzenden Peter Bondes treibende Kraft des gemein­nützigen Vereins, eigens nach Tadschi­kistan gereist. Zufrieden konnte die Ärztin fest­stellen, dass sich die Lebens­bedingungen im Bartang-Tal dank der Unter­stützung aus Berch­tes­gaden wieder ein kleines Stück ver­bessert haben.

IMG 8432Wunderschön geworden ist der neue Kinder­garten in Basid. Zur Eröffnung reiste Gisela Bondes vom Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe eigens nach Tadschikistan.

Ohne einen Vertreter des Vereins Pamir-Hilfe wollten die Einheimischen den neuen Kinder­garten nicht in Betrieb nehmen und so kam der insgesamt vierwöchige Besuch von Gisela Bondes und einer befreundeten Ärztin aus Bern gerade recht. Man hatte ein großes Fest organisiert, konnte neben der Besucherin aus Berch­tes­gaden auch den heimi­schen Land­rat begrüßen. Es gab Ansprachen, Gebete, Tanz und Musik, sogar ein rotes Band musste durchschnitten werden. Die Kinder sangen – die Hand aufs Herz gelegt – die tadschikische Nationalhymne.

»Das war schon sehr nett«, sagt Gisela Bondes und erinnert sich mit Freude daran, wie die Kinder ihr neues »Zuhause« gleich in Beschlag genommen haben. Zwischen 15 und 25 Kinder werden künftig auf rund 40 Quadratmetern zusammen mit den beiden Kinder­gärt­nerinnen eine schöne Zeit verbringen.

Viele kleine Hilfsprojekte

Gisela Bondes konnte sich bei ihrem Besuch aber auch davon überzeugen, dass viele andere kleinere Projekte, die ebenfalls der Verein Pamir-Hilfe angestoßen und finanziert hat, Fortschritte gemacht haben. Mit Freude konnte die Berchtesgadenerin zur Kenntnis nehmen, dass eine Kardier­maschine für die Woll­bear­bei­tung sowie eine Spinn­maschine mit kleinem Motor und zwei Näh­maschinen bereits in Betrieb sind. Die hatten sich die Frauen im Ort gewünscht, um künftig die eigene Wolle ver­arbeiten und verkaufen zu können. Auch das Projekt Hühner­gehege ist mittler­weile abgeschlossen, der Hühner- und Eier­handel hat bereits Fahrt auf­ge­nom­men. Daneben gibt es einen Laden, dessen Bau der Verein mit einem Kredit unterstützt hat. Und der Ort hat mittlerweile eine kleine Kneipe, die bei Bedarf geöffnet wird und das gesellschaftliche Leben im Ort bereichert. An der Beschaffung der Einrichtung hat sich der Verein Pamir-Hilfe beteiligt.

Das Marmeladenprojekt, ein weiterer Wunsch der Dorffrauen, läuft ebenfalls bereits. Aus heimischen Obstsorten wie Aprikosen, Birnen, Kirschen, Ber­be­rit­zen und Äpfeln wird Marme­lade gemacht und in Gläsern an Touristen, aber auch Ein­hei­mische verkauft. Der Berchtesgadener Verein leistete hier eine An­schub­finan­zierung, in drei Jahren soll das Projekt aber alleine laufen. Ein altes ver­fal­lenes Ge­bäu­de, das noch aus Sow­jet­zeiten stammt, haben die Einheimischen selbst wieder aufgebaut. Allerdings hatte man kein Geld für das Blechdach und für die Decken­verkleidung.

Großprojekt für die Gesundheit der Bewohner

Da half der Berchtesgadener Verein gerne aus. Jetzt kann darin wieder ein Teil des gesellschaftlichen Lebens stattfinden. Geplant sind Musik- und Tanz­ver­anstal­tungen und vielleicht auch Ring­sport-Wett­kämpfe. Nicht aus den Augen verloren haben die Ver­ant­wort­lichen des Vereins Pamir-Hilfe ein Großprojekt, das vor allem für die Gesund­heit der Ein­heimi­schen von großer Bedeutung ist: der Aufbau einer tadellosen Wasser­versorgung.

Denn bislang gibt es im Bartang-Tal nur das trübe, sandige Flusswasser, auch Gletschermilch genannt. Die Versuche auch anderer Hilfs­orga­nisa­tionen, das Wasser zu filtern oder es in Abset­zungs­becken zu reinigen, haben nie richtig funktioniert. Nun denkt man daran, mit einer 30 Meter tiefen Bohrung das saubere Grund­wasser anzuzapfen. Es müsste an die Ober­fläche gepumpt und dann über eine eben­falls zu sanierende und frost­sicher zu ver­gra­bende, fünf Kilometer lange Wasser­lei­tung ins Dorf geleitet werden. Um dieses Projekt realisieren zu können, muss der Verein allerdings noch fleißig Spenden sammeln. Gisela Bondes rechnet mit Kosten von mindestens 100 000 Euro.

Die Krankenstation läuft bestens

Dass Visionen mit der entsprechenden Hartnäckigkeit schnell Realität werden können, hat der Verein schon mehrfach bewiesen. Schließlich hat man auch beim Bau einer neuen Krankenstation trotz vieler Rück­schläge nie auf­ge­geben. Und heute ist die flo­rieren­de Sta­tion aus Basid nicht mehr weg­zu­denken.

Informationen zum Verein Pamir-Hilfe gibt es unter www.pamir-hilfe.de.

Ulli Kastner; Fotos: Archiv Bondes

IMG 8081aEs gibt jetzt zur Freude der Bewohner eine kleine Kneipe und einen Laden in Basid. IMG 8492Mithilfe einer Spinnmaschine können die Dorffrauen selbst Wolle verarbeiten. 20211016 104227Auch für die Kleinen war die Einweihung des neuen Kindergartens ein Festtag. Sie führten Tänze auf.