Ber Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 19. Juli 2021:

Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe:

In acht Jahren eine halbe Million Euro Spenden gesammelt

Nach der Krankenstation ist auch der neue Kindergarten in Tadschikistan bald fertig – Frauen in Basid haben fünf Projektwünsche.

IMG 7537Berchtesgaden/Basid – Seit achtein­halb Jahren gibt es nun den von sieben Berchtesga­denern gegründeten Verein Pamir-Hilfe. In dieser Zeit haben die mitt­ler­weile 25 Mit­glieder um ihre trei­benden Kräfte Peter Bondes (1. Vor­sitzender) und Gisela Bondes (Kassie­rin) eine halbe Million Euro an Spenden gesammelt. Die kamen den Bewohnern der im tad­schi­ki­schen Bar­tang-Tal gelegenen Ort­schaft Basid zugute. Nach dem Bau einer Kranken­station ist nun auch der neue Kinder­garten bald fertiggestellt.

Sehr zufrieden ist die Kassierin mit den in den ersten achteinhalb Jahren gesammelten Spendengeldern. Aller­dings bremst Corona auch den Verein Pamir-Hilfe aktuell enorm ein. »Weil es der­zeit keine Vor­träge gibt, bekommen wir auch weni­ger Spenden«, erklärte Gisela Bondes, die zu­sammen mit ihrem Ehemann Peter Bondes nach wie vor die treibende Kraft im Verein ist. Die Ärztin erzählt aber auch von vielen, nicht immer wohl­habenden Ein­heimi­schen, die dem Verein hohe Summen von bis zu 2000 Euro zukommen lassen.

Einen Teil der Gelder wollte Gisela Bondes im Oktober letzten Jahres persönlich nach Basid bringen, weil dringend Finanz­mittel für die Fertig­stellung des vom Verein finan­zier­ten Kinder­gartens benötigt wurden. Wegen Covid gab es aller­dings keine Ein­reise­visa. Nur weil Gisela Bondes und Kassen­prüferin Dorothee Schieg­nitz schließ­lich ein wich­tiges Medi­kament für ein Regie­rungs­mit­glied im Gepäck hatten, durften sie doch noch einreisen und konnten so im Rahmen eines Blitz­besuchs die dringend er­warteten Gelder überbringen. Damit konnten die Bau­arbeiten fort­gesetzt werden.

Ebenfalls über Beziehungen bekamen Gisela und Peter Bondes sowie Franz Grois schließlich in diesem Mai Ein­reise­visa. Bei ihrem jüngsten Besuch überzeugten sie sich vom Bau­fortschritt beim Kinder­garten, den insgesamt 24 Kinder besuchen werden. »Der Bau wird wunderschön, er ist fast fertig«, freut sich die Ärztin. Unter anderem die Böden müssen noch verlegt werden, »aller­dings haben sich auch in Tad­schiki­stan die Hol­zpreise fast ver­doppelt«. Am 9. Sep­tember, dem 30. Jahres­tag der Unabhängig­keits­erklärung Tad­schi­kistans, soll die Ein­weihung erfolgen.

IMG 6993Bei ihrem jüngsten Besuch trafen sich die Vereinsmitglieder auch mit den Frauen des Dorfes, um ihre Wunschprojekte zu hören, für die der Verein Anschubhilfe leisten könnte. Die Frauen wünschen sich bei­spiels­weise Material­aus­stattung für die Zu­bereitung von Mar­melade aus eigenem Obst, Hilfe bei der Er­richtung einer Hühner­farm und für die Ver­ar­beitung von Schaf­wolle, den Ankauf von Spinn- und Näh­maschinen sowie die Er­rich­tung eines Gewächs­hauses. All das sollen Pro­jekte für mehrere Fami­lien sein.

Die Schule ist laut Gisela Bondes noch in einiger­maßen gutem Zustand, aller­dings sollen neue Fenster eingebaut werden. »Und vor allem will ich, dass die Kinder morgens regel­mäßig gemein­sam die Zähne putzen«, betont Gisela Bondes. Denn sie hat mehr­fach selbst erfahren, wie es um die Zahn­gesund­heit der Bevöl­kerung in Basid und Umge­bung bestellt ist. »Beim letzten Termin haben unsere Zahn­ärzte 400 Zähne in einer Woche gezogen.«

Sorgen bereitet den Helfern aus Berch­tes­gaden immer noch die schlechte Wasser­qualität im Tal. Die sogenannte Gletscher­milch, extrem trübes, sandiges Wasser aus dem Bar­tang-Fluss, lässt sich auch mit Fil­tern nicht reinigen. So denkt man nun an eine 30 Meter tiefe Boh­rung, um sau­beres Grund­wasser zu gewinnen. Und dann gibt es da noch das Brillen­projekt eines Optikers aus Prien. Michael Staudt hat unter anderem in Bolivien und Kenia bereits Brillen­werk­stätten ein­ge­richtet. Dort können sich die Ein­heimi­schen mit etwas Know-how die Brillen zum geringen Preis selbst herstellen. Das schafft mehr Lebens­qualität und auch neue Arbeits­plätze. Michael Staudt will dem­nächst einmal mit nach Basid reisen, um die Vor­aus­set­zungen für so ein Pro­jekt zu prüfen.

Noch etwas warten müssen wird das Turn­hallen­projekt. Die aktuelle Halle ist zwar äußerst desolat und einsturz­gefährdet, doch dafür müssen zunächst noch Spenden­gelder gesammelt werden.

Laut Gisela Bondes konnte im Jahr 2020 wieder eine statt­liche Summe in die Ver­bes­se­rung der Infras­truktur in Basid investiert werden. Das meiste Geld gibt man für die ein­heimi­schen Arbeiter aus, die monatlich 200 US-Dollar pro Mann erhalten. Damit haben meh­rere Familien ein gutes Ein­kommen. Die Vor­aus­set­zungen für weitere Infra­struk­tur­ver­bes­serungen im Bartang-Tal sind mit den Plänen des Vereins Pamir-Hilfe geschaffen. Ein wenig Sorge aber bleibt, dass durch den Rückzug der NATO-Truppen aus Afghanistan auch in Tad­schi­ki­stan die Tali­ban aktiv werden könnten.

Ulli Kastner