Der Berchtesgadener Anzeiger berichtet am 1. Dezember 2018:

Neue Krankenstation in Basid geht in Betrieb

Einweihung des vom Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe finanzierten Projekts auf 2019 verschoben – Delegation zu Besuch im Bartangtal

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Berchtesgaden/Basid – Die bettelarme Bevölkerung im tadschikischen Basid kann sich ab sofort über eine medizinische Grundversorgung freuen. Die mit Spendenmitteln des Berchtesgadener Vereins Pamir-Hilfe finanzierte Krankenstation im Bartangtal geht in diesen Tagen in Betrieb. Die Einweihung konnten Gisela und Peter Bondes, tragende Kräfte des Vereins, und ihre Begleiter bei einem Besuch im Herbst zwar nicht wie geplant mitfeiern. Doch im Mai 2019 soll es endgültig so weit sein.

Es waren keine guten Vorzeichen, unter denen der aktuelle Besuch der Gruppe in Tadschikistan stand. Denn erst wenige Wochen zuvor waren entlang der Strecke von Dushanbe ins Bartangtal, die auch die Berchtesgadener befuhren, vier Radfahrer aus Europa und den USA bei einem bewaffneten Angriff der Terrormiliz »Islamischer Staat« getötet worden. »Wir waren deshalb schon froh, als wir endlich von der Hauptstraße weg kamen«, gibt Gisela Bondes zu. Zusammen mit ihren Berchtesgadener Freunden Franz Grois und Kathrin John, Vereinskassenprüferin Dorothee Schiegnitz sowie den beiden Ingenieuren Albert Reil und Daniel Preis hatten sie jede Menge Know-how im Gepäck, um das Projekt Krankenstation vorantreiben zu können. Außerdem hatten sie Geld und Materialspenden von Privatpersonen und Firmen dabei. Finanzspritzen kamen unter anderem von den Erlanger Stadtwerken, von »Apotheker helfen«, vom Eine-Welt-Kreis Laufen und vom Eine-Welt-Kreis im Schweizer Oetwil.

Strommasten aufgestellt

Aufstellen eines StrommastenIn den drei Wochen, in denen die Gruppe im Bartangtal verweilte, ging in der Krankenstation noch einmal einiges voran. Die Innenstromverkabelung war bereits fertig, aber es fehlte noch die Stromzuleitung. Gemeinsam errichtete man die noch fehlenden Strommasten. »Das sah aus wie beim Maibaumaufstellen«, lacht Gisela Bondes. So hat jetzt die ganze Station Stromanschluss und alles funktioniert bestens. Der Bodenestrich bekam noch eine Betonschlämme, weil dieser Belag leichter zu reinigen ist als ein Fliesenbelag mit den lästigen Fugen.

Auch das kleine Toilettengebäude neben der Krankenstation ist mittlerweile vollendet, mit viel technischem Know-how wurde sogar ein Abzug eingebaut. Und Maurer Franz Gois hat beim Bau der fünf Kachelöfen aus selbst gebrannten Lehmziegeln für die Beheizung der Krankenstation geholfen.

Krankenstation IMG 3939»Durch die kalte Witterung hat sich leider alles ein wenig verzögert, aber die Krankenstation kann jetzt nach und nach in Betrieb genommen werden«, sagt Peter Bondes, 1. Vorsitzender des Vereins Pamir-Hilfe. Die medizinische Versorgung ist durch den einheimischen Arzt Mamadyor und seine junge Kollegin Dasha sichergestellt. Nicht optimal ist derzeit noch die Wasserversorgung, die lediglich über Vorratsbehälter betrieben wird. Das Wasser aus den Flüssen kann nicht verwendet werden, es ist zum einen bakteriell belastet, zum anderen ist es, weil von den Gletschern kommend, milchig weiß. »Es kann auch nicht gefiltert werden und eine richtige Quelle gibt es nicht«, sagt Peter Bondes. Welche Auswirkungen der Verzehr des Wassers ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen haben kann, mussten die Helfer aus Deutschland am eigenen Leib erfahren. Einige von ihnen litten unter lang anhaltendem Durchfall. So steht nun auch schon das nächste Projekt der Pamir-Hilfe fest. Mit finanzieller Unterstützung durch die Spender will man einen Brunnen bauen. Die Einheimischen bekamen den Auftrag, schon einmal nach einem Platz Ausschau zu halten und mit dem Graben zu beginnen.

Innen IMG 3954Natürlich hielt das Ärztepaar während des Aufenthalts im Bartangtal auch wieder Sprechstunden für die Bevölkerung ab. Und Krankenschwester Kathrin kümmerte sich liebevoll um einen achtjährigen Buben, der an einer schlimmen genetischen Hautkrankheit leidet. »Kathrin behandelte ihn mit Backpulver-Bädern und Cremes. Nach einiger Zeit ist der sonst sehr schüchterne Bub richtig aufgetaut«, freut sich Gisela Bondes.

Gletscherschwund im Pamir-Gebirge

Und dann haben die Besucher aus Deutschland auch wieder die einsame Bergwelt des Pamir-Gebirges erkundet. Man erklomm den über 5 000 Meter hohen Pass Kokoi Bel, von wo aus sich der Blick auf die bis zu 7 000 Meter hohen Eisriesen eröffnete. Besorgt mussten die Bergsteiger feststellen, dass auch im Pamir-Gebirge der Gletscherschwund mittlerweile deutlich erkennbar ist. Die Heimreise erfolgte nach Überquerung des Gebirges wieder von der kirgisischen Stadt Osh aus. Im Mai wollen das Ehepaar Bondes und ihre Freunde zur offiziellen Einweihung der Krankenstation und Fortführung des Brunnenbauprojekts wiederkommen.

Informationen zum Verein Pamir-Hilfe gibt es unter  www.pamir-hilfe.de.

Ulli Kastner